Emma Disselnmeyer, M.A.
Emma Disselnmeyer, M.A.

Emma Disselnmeyer, M.A.

Analyse der sozioökonomischen Wirkungsdimensionen von Sextourismus in Westafrika: Eine datengestütze Typologisierung und Ableitung von Governance-Strategien

Promotionsvorhaben: Analyse der sozioökonomischen Wirkungsdimensionen von Sextourismus in Westafrika: Eine datengestütze Typologisierung und Ableitung von Governance-Strategien

Die sozial-ethische Verträglichkeit von Reisen rückt zunehmend in den Fokus des globalen Tourismus, doch mit dem Phänomen des Sextourismus existiert eine Realität, die von tiefgreifenden Machtasymmetrien und neokolonialen Ausbeutungsstrukturen geprägt ist. Die gezielte Ausnutzung sozioökonomischer Vulnerabilitäten führt in betroffenen Destinationen zu gravierenden Herausforderungen, die von gesundheitlichen Risiken und Kriminalität bis hin zu langfristigen Imageschäden und der Verdrängung regulärer Wirtschaftszweige reichen.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Promotionsvorhaben, wie das verdeckte Geflecht des Sextourismus systematisch erfasst, seine sozioökonomischen Auswirkungen quantifiziert und wirksame, typenspezifische Governance-Strategien entwickelt werden können.

Ausgehend von einem multiperspektivischen Theorieansatz – bestehend aus schattenwirtschaftlichen, entwicklungstheoretischen und ethisch-soziologischen Zugängen – erfolgt die empirische Untersuchung in der Region Westafrika. Das sequenzielle Mixed-Methods-Design kombiniert Befragungen von Fachexperten zur qualitativen Validierung theoretischer Phänomen-Typen mit einer empirischen Fallstudie vor Ort zur lokalen Spezifizierung („Ground Truthing“). Hierbei werden halbstrukturierte Interviews mit Stakeholdern geführt sowie lokale Mikro-Daten analysiert. Durch die systematische Triangulation von theoretisch-konzeptionellem Modellwissen, dem qualitativen Expertenwissen und den vor Ort erhobenen qualitativen und quantitativen Feldforschungsdaten werden die sozioökonomischen Schäden über Proxy-Indikatoren quantitativ bewertbar gemacht.
Die Ergebnisse fließen in ein Sextourismus-Impact-Modell ein, das als strategisches Diagnoseinstrument dient. Darauf aufbauend entsteht ein praxisnahes Governance-Framework, das Destination Management Organisationen und politischen Entscheidungsträgern typengerechte rechtliche, ökonomische und soziale Interventionen zur nachhaltigen Reduzierung lokaler Vulnerabilitäten an die Hand gibt.

Die Dissertation wird als kumulatives Promotionsvorhaben an der Europa-Universität Flensburg in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Tourismusforschung und der Hochschule Worms unter Erstbetreuung von Prof. Dr. Bernd Eisenstein und Zweitbetreuung von Prof. Dr. Knut Scherhag durchgeführt.